Stadtleben
In der Adventszeit und weit darüber hinaus sind in ganz Bamberg wieder die verschiedensten Krippen zu sehen – ob als große Outdoorvariante am Schönleinsplatz oder in den Innenräumen von vielen Bamberger Kirchen. Dazu sind in diesem Jahr verschiedene Ausstellungen zu sehen, die sich auf unterschiedlichste Weise der Krippe, ihrer Geschichte und ihrem Bau widmen. Auch Stefanie Lunz begeistert sich seit über 15 Jahren für die Handwerkskunst, die Weihnachtsgeschichte mit Figuren, Gebäuden und Landschaft begreifbar und erlebbar zu machen. Sie gestaltete zusammen mit dem Fach Europäische Ethnologie der Uni Bamberg eine Ausstellung über die Gestaltung von Krippen. Bambolino befragte sie, wie genau sie beim Krippenbau vorgeht:
Planung und Inspiration
Ihre Inspiration erhält Stefanie Lunz durch Krippenausstellungen oder Recherche im Internet – es können ein Baustil oder Darstellungsdetails sein, die ihr gefallen. Als erstes überlegt sie, wo die Krippe später steht und wie sie dabei angeschaut wird: Auf einem niedrigen Tisch oder auf Augenhöhe an einer Wand? Davon hängt sehr stark ab, wie groß etwa die Figuren werden sollten. Mit diesen Überlegungen entsteht eine erste Skizze, in der auch etwa die Figuren und deren Körperhaltung und Blickrichtung abzulesen sind.
Die Bauphase
Die Umsetzung erfolgt mit verschiedensten Materialien. Aus Styrodur, einem Hartschaumstoff, entsteht die Grundform des Geländes. Er wird mit Sand, Erde und Holzleim versehen und mit Moos und anderen Pflanzen dekoriert. Aus dünnen Styrodur-Platten oder aus Steinen aus Modelliermasse entstehen Mauern und Wände, Dächer werden aus künstlich gealtertem Hölzern gefertigt. Diese können dann, wie echte Häuser, mit kleinen Ziegeln eingedeckt werden – das hat Stefanie aber nur einmal gemacht. Diese Arbeit kann Wochen dauern …
Das oder die Gebäude werden dann kunstvoll bemalt – Stefanie Lunz erläutert: »Ich nutze ungebundene Pigmente, die ich mit einer Mischung aus Holzleim und Malzbier anrühre. So habe ich stets die Kontrolle über die Pigmentierung und die Konsistenz meiner Farbe. Verschiedene Flächen erfordern unterschiedliche Maltechniken mit Pinseln oder Schwämmchen.
Die Modellierung der Figuren
Ihre Figuren Ihre Figuren stellt Stefanie Lunz selbst aus Ton her. So kann sie Gesichtsausdruck und Körperhaltung frei gestalten und die in der Planung skizzierten Personengruppen modellieren. Bei einigen Figuren werden nur Hände, Füße und Köpfe geformt und dann an einem Drahtgestellt befestigt. Sie beschreibt ihr Vorgehen »In diesem Fall “kaschiere” ich die Figur anschließend, indem ich Stoffe in Leimwasser tauche und in Falten auf die Figur lege. So entsteht Schicht für Schicht eine realistische Kleidung.
Von der Idee bis zur Ausstellung
Von der Idee bis zur fertigen Krippe vergehen etwa zwei bis drei Monate. Stefanie Lunz ist Teil der Krippenbauer*innengruppe Hirschaid, ein lockerer Zusammenschluss krippenbegeisterter Menschen. Ihr Krippenbaumeister Horst Wende organisiert seit Jahrzehnten jährlich im Herbst Baukurse für Kinder und Erwachsene. Da die Gruppe ohne Bausätze oder Vorlagen arbeitet, herrscht absolute Gestaltungsfreiheit. Jede Idee kann umgesetzt werden, und Figuren wie Hintergrund lassen sich individuell gestalten. Der Krippenkurs beginnt in der Regel im September und endet mit den Ausstellungen am ersten und zweiten Advent in Eggolsheim und Hirschaid. Das ist viel Zeit – aber oft nicht genug. Stefanie sagt selbst: »Ein bisschen Zeitdruck schadet bei mir nie. Manchmal sind Krippen erst in der Nacht auf den ersten Advent fertig geworden und die Farbe war während der Ausstellung noch nicht trocken.«
Wie Stefanie zum Krippenbau kam
Der Cousin ihres Vaters war bereits lange Jahre Krippenbauer, und Stefanie war stets von neuem von seinen Werken fasziniert. Irgendwann nahm er sie einfach mit – und sie wurde vom „Krippenfieber“ gepackt. Für sie ist der Krippenbau in erster Linie ein handwerkliches Hobby. Sie möchte irgendwann so gut sein, wie ihr großes Vorbild aus Italien, Angela Tripi. Doch bis dahin, wie sie scherzt, wird noch „viel Wasser die Regnitz hinunterfließen“. Die Idee, in der Krippenbauschule Klüsserath einen Meisterkurs zu belegen, trägt sie schon lange mit sich herum – doch aktuell hat ihr Bachelor-Studium Vorrang. Fragen von Arnd Rüttger
Ausstellung Krippengeschichten
Eine Ausstellung von und mit Stefanie Lunz (Bild links) ist vom 1. bis 22. Dezember 2025 und 7. Januar bis 2. Februar 2026 in der Innenstadt-Universität zu sehen – jeweils Montag bis Samstag 8 bis 18 Uhr.
Ort: Universität Bamberg, Europäische Ethnologie, An der Universität 5, 3. OG, Eintritt frei, barrierearmer Zugang (über Eingang Burgershof an der Westseite des Gebäudes)
Informationen zu weiteren Krippen und Krippenwegen in und um Bamberg finden Sie auf der Webseite
www.bamberg.info/krippen