Und wie geht’s jetzt weiter? – Aus dem Ferienmodus nach dem Corona-Stillstand zurück in den Schulalltag

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An der Schultafel Sergey Nivens, shutterstock.com

Nach den Sommerferien läuft der Schulbetrieb wieder einigermaßen normal. „Hoffentlich“ – denken jetzt wohl die meisten Eltern und auch Lehrkräfte. Als Hypothek der letzten Monate belasten drei Monate ohne Regelunterricht den Re-Start nach den Sommerferien. Bambolino fragte Matthias Maex, seit 23 Jahren Inhaber des Bamberger Nachhilfeinstitutes „Lernpunkt“, welche Folgen das für die Kinder und Jugendlichen hat und wie ihre Eltern sie unterstützen können.

Nach dem Ende des Corona-Shutdowns ließ Matthias Maex einige Kursteilnehmer im Lernpunkt eine kleine Umfrage beantworten: „Welche Art von Unterricht hattet ihr in den vergangenen Wochen?“ Die – sicherlich nicht repräsentativen – Ergebnisse bestätigten seine Wahrnehmung, die auch viele Eltern schon festgestellt haben: Onlineunterricht ist nicht gleich Onlineunterricht. „An einigen Schulen hat es gut funktioniert, und die Schüler hatten an jedem Wochentag mindestens zwei Unterrichtsstunden per Videokonferenz im Klassenverband und mit direktem Kontakt zum Lehrer“, beschreibt Matthias Maex den optimalen Onlineunterricht. „An anderen Schulen war das nicht möglich und es gab lediglich Arbeitsaufträge per Mail oder Mebis. Onlineschaltungen für Rückfragen oder Korrekturen gab es nur unregelmäßig.“ Matthias Maex: „Bei der Umfrage ging es uns nicht um Schuldzuweisungen an Schulen oder Lehrer, sondern darum, wo wir jetzt ansetzen und wie wir weiter arbeiten können.“

Seit Monaten im Ferienmodus
Welche Konsequenzen hat der monatelange Schulstillstand auf das Lernverhalten? Viele Kinder und vor allem Jugendliche sind seit Monaten innerlich im Ferienmodus – das ist Fazit des Institutsleiters. „Sie haben nicht nur jegliche Tagesstruktur verloren, sondern auch ihre Lernbereitschaft. Das Gehirn wurde nicht effektiv gefordert – und jetzt kommen ja noch zwei Monate Ferien.“ Die Schüler während der Sommerferien zum Nachbüffeln zu verdonnern, sei allerdings auch kein guter Weg, betont der 50-Jährige. „Wir haben derzeit ein massives Problem mit der Arbeitsleistung und vor allem der Motivation und das selbst bei solchen Schülern, die bislang sehr diszipliniert und motiviert gelernt haben. Vor allem wegen des völligen Fehlens von Leistungsnachweisen fragen sie sich zu Recht: Wozu soll ich jetzt eigentlich noch lernen?“

Was Eltern tun können
Doch wie können Eltern ihre Kinder in den nächsten Wochen unterstützen, ohne sie und auch sich selbst zu überfordern? Matthias Maex: „Es geht darum gegenzusteuern. Die Motivation, das Wissen und auch die Leistungsfähigkeit sollen wiederbelebt werden und nicht noch weiter absacken.“  Dazu können Eltern mit Belohnungen arbeiten, wie z. B. verlängerten Online- und Medienzeiten oder auch attraktiven Ausflügen, um die Kinder zumindest in der zweiten Ferienhälfte zum freiwilligem Lernen anzuhalten. Doch: Eltern sind keine Pädagogen und haben auch nicht das Wissen, um hier gezielt Lücken zu füllen. Was aber geht, sind Abfragen von Vokabeln oder Grammatik. „Wichtig ist vor allem, die Kernfächer Deutsch, Mathematik und die Sprachen nachzuarbeiten und wiederzubeleben“, betont Matthias Maex. „Hier können auch Ferienkurse helfen, entstandene Lücken gezielt zu schließen. Sonst kann es im neuen Schuljahr ein böses Erwachen geben. Spätestens ab Weihnachten werden die Leistungen wieder normal abgefragt werden“, nimmt der Institutsleiter an.

Nicht übertreiben
„Dennoch sollten die Kinder in den Ferien nicht mehrere Stunden täglich zum Lernen angehalten werden.“ Wichtiger sei es, dass die Eltern zu Beginn des neuen Schuljahres aufmerksam beobachten: „Wie kommt mein Kind mit? Kann es die Hausaufgaben eigenständig bewältigen?“ Im Zweifel sollten sich Eltern hier rechtzeitig Beratung und Hilfe holen oder den Nachwuchs notfalls auch mit Nachhilfeunterricht unterstützen. „Aufgabe der Eltern ist es, die eingeschlafene Lernbereitschaft neu zu wecken. Kinder und auch Jugendliche wollen Leistungen bringen und sich auch über die Noten mit anderen messen. Doch um diese Leistungsbereitschaft bei ihnen abzurufen, müssen ihnen auch die entsprechenden Angebote gemacht werden.“

Kerstin Bönisch

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