„… drum schlaf auch du…“

Baby & Kleinkind
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Singt Ihr Eure Kinder auch in den Schlaf? Bei uns gehörte lange Zeit das berühmte „La, Le, Lu“ zum Abendritual. Sehr oft wurde der letzte Vers „Drum schlaf auch du“ mit einem verzweifelten Ausrufezeichen intoniert, wenn das Einschlafen mal wieder gar nicht klappen wollte. Bambolino sprach mit der Bamberger Fachberaterin Annett Guthschwager, was Eltern hilft, wenn der Nachwuchs die Augen nicht zukriegt.

Sind Schlafprobleme bei Kindern häufig nicht nur eine Phase, die von alleine wieder endet?

Zur Herausforderung wird das Thema vor allem, wenn der Schlafmangel für die Eltern über einen langen Zeitraum anhält oder es abends sehr lange dauert bis das Baby einschläft. Oft stellen sich zum Ende des 1.Lebensjahres auch verschiedene Einschlafgewohnheiten ein, z.B. das Kind schläft nur mit der Flasche ein oder wenn ich es  stille. Oder ich muss es wiegen, schaukeln oder mit dem Auto spazieren fahren, damit es schlafen kann und Ähnliches mehr. Auch wenn das Baby nachts sehr oft aufwacht oder tagsüber nur wenig schläft, steigt der Leidensdruck bei den Eltern.

Gibt es bestimmte Ursachen für Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern?

Einschlafen erfordert körperliches Loslassen und emotionales Aufgeben der Kontrolle. Um einen entspannten Schlaf zu entwickeln benötigt der Säugling in den ersten Lebensmonaten intensiven körperlichen Kontakt und Nähe zu den Eltern, um eine Bindungssicherheit zu erreichen. Traumatische Erlebnisse vor, während oder nach der Geburt, können zu einem gestörten Bonding und zu Schlafschwierigkeiten führen.

Es gibt also keine grundsätzliche Anleitung, nach der das Schlafen gut funktioniert?

Bei allen Menschen ist das Ein- und Durchschlafen von sehr individuellen Bedingungen abhängig. Aus diesem Grund funktionieren pauschale Ratschläge oftmals nicht. Zum Beispiel verschlimmert es die Schlafsituation eines ängstlichen Babys, wenn es schreiend alleine gelassen wird. Auch bei den Eltern hinterlässt diese Strategie Ohnmachts- und Schuldgefühle.

Was können Eltern tun, um die wirklichen Gründe der Schlafstörungen zu erkennen?

Ein erster Schritt zur Besserung ist die Erkenntnis und die Wahrnehmung des eigenen Leidens. Allein das bewusste Wahrnehmen der eigenen Gefühle oder Belastungen bewirken oft eine spontane Besserung der nächtlichen Situation. Nicht immer liegt hinter dem unterbrochenen Ein- oder Durchschlafen ein echtes Problem. Zum Verdeutlichen ist das Notieren eines Schlafprotokolls sinnvoll. Eine Downloadvorlage des Schlafprotokolls von Remo Lago (Buch „Babyjahre“) finden Eltern unter www.abendritual.ch.

Was rätst Du belasteten Eltern, wenn das Kind nicht einschlafen will?

Für eine angemessene und ruhige Atmosphäre sorgen, um dem Kind das Einschlafen zur erleichtern. Ein laufender Fernseher überlastet das Nervensystem des Säuglings. Bereits tagsüber uneingeschränkte Aufmerksamkeit in der gemeinsamen Zeit und einen verlässlichen Tagesablauf bieten. Dazu viel Kuscheln und Berührungsangebote (z.B. Babymassage). Wichtig ist auch mit dem Kind zu sprechen. Also das Baby nicht heimlich ablegen, sondern ihm vor dem Einschlafen ankündigen, dass es später ins Bett gelegt wird. Ihm die Sicherheit vermitteln, dass die Eltern da sind, wenn es ruft oder weint. Das zu Bett bringen sollte eine eigene Entspannungszeit sein. Die innere Einstellung: „Es dauert so lange, wie es dauert“ fördert schnelles Einschlafen. Unter Druck schlafen Kinder schlechter ein.

Und was hilft für ein besseres Durchschlafen?

Wenn der Nachtschlaf häufig unterbrochen wird, sollten Eltern am Tag für Erholungsphasen und Schlaf sorgen, um abends Übermüdung zu vermeiden. Eigene Highlights in den Tag einbauen. Das können Kleinigkeiten sein, z.B. der Papa geht zum Sport, dafür darf die Mama abends ungestört in die Badewanne. Mütter sollten die Still- und Fütterungszeiten als eigene Auszeit ansehen, dabei entspannen und „eins“ mit ihrem Kind sein. Frische Luft und Bewegung fördern einen besseren Schlaf. Summen und sanftes Wiegen fördern die Selbstanbindung der Eltern und beruhigen das Nervensystem des Babys. Bei starker Belastung sollten Eltern ihre Grenzen wahrnehmen und Hilfe durch die Familie annehmen oder professionelle Beratung suchen. – keb –

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Die Hebamme und Emotionelle Erste Hilfe Fachberaterin Annett Gutschwager aus der Hebammenpraxis Bauchträume bietet belasteten Eltern Schlafberatung an und hilft, Möglichkeiten zu finden, um die nächtliche Situation zu entspannen. Sie ist zu erreichen über das Kontaktformular unter www.geburt-bamberg.de oder Tel. 0176-24494534. Weitere Fachberaterinnen und eine Mediathek zum Thema finden Sie auf der Homepage www.emotionelle-erste-hilfe.org.


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