„Bilder kann man sich leichter merken als Wörter“

Schule & Entwicklung
©kerstin bönisch

 „Bilder kann man sich leichter merken als Wörter“

Tipps zum Vokabellernen und verblüffende Rechentricks vom Bamberger Gedächtnistrainer Helmut Lange

Ein vergnügtes Gespräch über das Pauken von Vokabeln und Kopfrechnen? Mit Helmut Lange geht das – sogar mit jemandem wie mir, bei dem jegliche Rechenaufgaben, Tabellen und Zahlenwerke sofort Beklemmungsgefühle auslösen. Am Ende unseres Interviews konnte ich Aufgaben wie 24×11 oder 15:9 innerhalb von Sekunden im Kopf lösen – und hatte viele lustige Bilder vor Augen…

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„Schieb das Schaf“ oder „Kaputt ist der Kopf“ –egal, ob Englisch oder Latein, auf der Basis des Wortschatzes der bayerischen Schulen hat  Helmut Lange mit spaßigen Karikaturen aufgemachte Bücher zum Sprachenlernen verfasst – übrigens auch für Französisch, Spanisch und Italienisch. Die darin empfohlene Methode, sich Vokabeln mit Hilfe von Bildern zu merken, entwickelte er gemeinsam mit Oliver Geisselhart, einem der bekanntesten Gedächtnistrainer in Deutschland. Der sympathische Dozent erklärt wie es geht: „Man sucht im ersten Schritt nach einer phonetischen Ähnlichkeit: Das englische „sheep“ klingt z.B. wie das deutsche „schieben“. Dann verknüpft man die beiden Begriffe im Kopf durch ein Bild oder eine Szene: Ich schiebe ein Schaf. Das ist eine lustige Vorstellung, und der Kopf kann sich das damit verbundene Bild leichter merken als ein gelerntes Wort.“ Gemeinsam probieren wir es bei einigen Latein-Vokabeln aus: accurerre = zwei Rehe mit Akkubetrieb laufen herbei. Oder: convenire = Wenn seine Niere wieder funktioniert, kann er mit ihr zusammen kommen. Natürlich finde man nicht für jedes Wort ein perfektes Bild, gibt Helmut Lange unumwunden zu, doch das sei auch gar nicht sein Ziel. „Es geht um die Erfahrung, dass es funktioniert. Wenn man die Methode beherrscht, klappt es auch bei komplizierteren Wörtern.“ Erfolgreich offensichtlich – Sein erstes Buch „Schieb das Schaf“ verdrängte nach dem Erscheinen 2012  kurzzeitig Thilo Sarrazin von Platz 1 der Amazon-Verkaufsliste, und „Kaputt ist der Kopf“ wird dort immer noch als Bestseller Nr. 1 für die Latein-Lernhilfen gelistet. „Mein Ziel ist, dass man sich eigene Bilder und Assoziationen kreiert, weil man diese viel leichter behält als vorgegebene.“ Seine Begeisterung für das Gedächtnistraining entdeckte Helmut Lange vor knapp zehn Jahren eher zufällig durch das Buch „Erfolgs-Gedächtnis“ von Dr. Gunther Karsten, dem mehrfachen Gedächtnisweltmeister in verschiedensten Disziplinen. In zahlreichen Seminaren und Fortbildungen vertiefte der ausgebildete Musiker und Diplom-Sozialpädagoge Lange, der als freiberuflicher Dozent und Trainer u.a. an der Universität Nürnberg verpflichtet ist, sein Wissen und bietet mittlerweile selbst Workshops zum leichteren Lernen und Gedächtnistraining an.


Neben den gemeinsam mit Geisselhart erstellten Vokabel-Lernhilfen verfasste Helmut Lange auch das Buch „Rechnen ohne Taschenrechner“, von dem im kommenden Herbst die Fortsetzung „Noch besser rechnen ohne Taschenrechner“ erscheint. Flugs notiert er auf Zetteln ein paar verblüffende Rechentricks, mit denen man scheinbar komplizierte Aufgaben sogar im Kopf schneller lösen kann als man die Zahlen im Taschenrechner eintippt. Und auch für das leidige Problem vieler Schulanfänger beim Rechnen nicht die Hände als Hilfe benutzen zu dürfen, hat Helmut Lange hilfreiche Ideen. Anschaulich demonstriert er mir, wie man das 1×9 eben doch mit den Fingern rechnen kann – und sie dann gar nicht mehr dafür braucht, weil sich alles im Kopf abspielt. „Wenn ich das vor Schülern zeige, freuen sie sich erst einmal, dass die Finger erlaubt sind. Dann wundern sie sich, dass die Hände gar nicht mehr nötig sind“,  schmunzelt Lange. Bei seinen Workshops lässt er die Kinder das 1×9 erst mit den Händen, dann im zweiten Schritt mit den Händen und dabei geschlossenen Augen und zuletzt schließlich mit den Händen in den Hosentaschen rechnen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder durch die lustigen Zahlentricks auch Spaß an Mathematik finden. Die schnellen Erfolgserlebnisse durch die Rechentricks stärken ihr Selbstbewusstsein und ihre Motivation sich überhaupt mit Zahlen zu beschäftigen.“ Der Sozialpädagoge bietet auch Workshops und Seminare für (Grund-)Schulen an. Dabei erklärt er den Kindern auch gerne Rechenmethoden aus anderen Ländern, wie etwa dem chinesischen Stäbchen-Rechnen oder der vedischen Mathematik aus Indien. „Auf dem daraus entstandenen Über-Kreuz-Rechnen basieren die meisten der Rechentricks“, begeistert er sich und gesteht lachend ein: „Ich war in der Schulzeit übrigens auch kein Mathe-Genie.“

Kerstin Bönisch

Mehr über Helmut Lange und seine Gedächtnistraining-Methoden unter www.langewissen.de

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